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„Gute Zeiten, schlechte Zeiten?“ War es früher wirklich besser? Oder doch nicht?
Hier als Beispiel die Gemeinde Kadenbach, Einwohnerzahl 1970 : ~ 915
Was gab es damals in der Gemeinde?
Eine Metzgerei:
Johann Stotz, genannt „Hennes“, später Heinz Hunecke. Hier wurde noch selbst geschlachtet!
Plus Fleisch und Würstchenverkauf durch Theo Baumann, „Wutze Theo“.
Eine Bäckerei:
Bruno Born, da gab es u.A. noch selbst gemachtes Eis!
Vier Lebensmittelgeschäfte:
Adolf Knopp, „Hammerschmitts“. Einkauf fast jederzeit, „hinnerem“ auch sonntags!
Anschreiben war üblich, gezahlt wurde später.
Leni Stotz, „Steins Leni“, zusätzlich Gemischt- und Textilwaren.
Erwin Knopp, „Kläse Erwin“, ist mit einem Gemüseauto durch die Augst gefahren.
Helma Knopp, „Simmens Jul“. Bei Allen konnte man mal ein Schwätzchen halten, ohne gleich von anderen Kunden „angemotzt“zu werden. Man hatte Zeit!!
Zwei Haushaltswarengeschäfte:
Juliane Lehmler, „Bernds Julche“ und Margarete Best, „Worre Gretche“. Auch Textilwaren.
Ein Frisör: Peter Knopp, „Pitterchen“. Er war auch der Dorfsanitäter.
Eine Schreinereien: Phillip Stotz
Zwei Schuster: Alois Baumann, „Lappese Alois“, der hatte auch Schuhe zu verkaufen.
Und Johann Stotz.
Ein Dachdecker mit Fuhrbetrieb: Gilbert Schwickert
Ein Bauunternehmer: Theo Peters
Eine Poststelle: Julius Stotz, später Karl Stein, „Postkarl“, dazu drei Briefkästen und eine Telefonzelle.
Ein Malergeschäft: Reinhard Knopp
Auch Privatverkäufe gab es:
Bier: Maria Kirsch, „Bernds Maria“, Maria Reckert, „Lappese Maria“, August Stotz, „Schäfers August“
Erwin Lehmler, “Knorre Erwin”, hier gab es auch Waschmittel und Seife (DREITURM)
Kaffeeverkauf: Maria Fries, „Virus Maria“ und Jacob Portugall, „Portugalls Jacob“
Milch: gab’s beim Bauer Karl Stein, „Kahls Karl und bei Jennesse Juhann.
Drei Gaststätten: davon zwei mit großem Saal. (was haben wir da alles erlebt :))
Adolf Knopp, „Hammerschmitts“
Vinzenz Fries, „Heinrichs“
Rudolf Knopp, „Simmens“
Eine Schule: Alle Klassen bis 1966, von 1967 ab 5. Klasse zur Augstschule, die Klassen 1 bis 4 gemeinsam mit Simmern im Wechsel. Schließung der Schule 1986.
Zwei Sparkassenautos: 1mal in der Woche auf dem Kirmesplatz. Ca: 1989 bis 1995 bei „Hammerschmitts“ eine kleine Zweigstelle der NASPA, die Raiffeisenbank erst bei Werner Merz, dann ab 1980 im ehem. Frisörsalon Hauptstrasse.
Martinszug, Kirmes, Masken- und Sportlerbälle und sonstige Feste waren immer gut besucht. Auch die Kirche.
Zu Weihnachten brannten meist noch richtige Kerzen am Baum und Bäumchengucken war angesagt. Heimisches Obst wurde noch geerntet und aufgesammelt.
Wir verbrachten noch mehr Zeit miteinander. (weniger Fernsehen) Wir sind oft und gerne Tanzen gegangen. Die Musiker spielten noch ohne „Lasergedöns“, Elektronik und Riesenverstärker und zu “normalen Zeiten“!
Wir wussten noch was Respekt und Werterhaltung bedeutet. Ich denke, insgesamt waren wir zufriedener.
Das Wort Stress war so gut wie nicht bekannt. Und unsere Verabredungen schafften wir ohne teure Zeitmanagementkalender. Unsere Kinder spielten mehr draußen und zu trinken gab es meist aus dem Wasserhahn. Die Jugendlichen haben viel gemeinsam unternommen und gingen noch zu Fuß!! Auch bei schlechtem Wetter.
(wie haben die das nur ohne Handy überlebt???)
Und wie sieht es heute aus, bei fast 60% mehr Einwohnern? ~ 1.534
Es gibt eine Gaststätte: Helmut Stein
Einen Kindergarten:
Zwei Bäckerautos, ein Eierauto, ein Gemüseauto fahren durch das Dorf.
Eine Sparkasse: bald ohne Besetzung? Alles nur über Automaten?
Eine Naturheilpraxis: Heike Zimmermann
Ein Raumausstatter: Leonhard Limper
Eine Bausanierung: Torsten Borsch
Ein Montagebetrieb: „Die Schreiner“ Mario Clos und Dirk Crezelius
Ein Kosmetikstudio: Margit Mäurer
Ein Werbe und Grafik Atelier: Ute Stotz
Es gibt nur noch einen Briefkasten, keine Telefonzelle. Die Busverbindungen sind weniger geworden.
Dafür gibt es viiiiiel mehr Autos!
In den Vereinen fehlt überall der Nachwuchs. Warum? Will keiner mehr Verantwortung übernehmen?
Sicher, die Zeiten in den Dörfern sind längst vorbei, als Jeder Jeden kannte und geholfen wurde ohne groß zu fragen, was man dafür bekommt. Ob das aber gut ist? Geht da nicht die gewachsene Geborgenheit verloren?
War es früher besser? Oder doch nicht? Wir müssen wieder erkennen, dass es ohne die Pflege der Werte nicht geht.
Ist das, (was ist) Fortschritt??
Ist es Fortschritt, wenn wir uns fast nur noch per E-Mail, SMS, Handy unterhalten?
wenn wir oft gegeneinander prozessieren anstatt miteinander zu reden?
wenn das Obst auf den Straßen von Autos zermatscht wird oder auf den Wiesen verfault?
wenn überall in den Gemeinden die sinnlose Zerstörungswut zunimmt?
wenn die Veranstaltungen der Ortsvereine immer weniger besucht werden?
Hier besonders die Kirmes. Trotz mehr Einwohnern! Tradition ist kein Geschwätz von Gestern!!
Allerdings: Weniger Laut wäre sicher angebracht und würde vielleicht wieder mehr Einwohner anlocken!!
Kein Anspruch auf Vollständigkeit oder exakte Daten. Es soll nur eine Anregung sein, mal nachzudenken...
Wolfgang Stach, Kadenbach im November 2006 |
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